Systemischer Newsletter der GIS-Akademie
Dies sind die Themen im Januar
Übertragung, Gegenübertragung und Selbstfürsorge in Beratung & Coaching

Vielleicht kennst du diese Situation:
Du gehst gestärkt und klar in ein Beratungsgespräch – und verlässt es plötzlich erschöpft, verunsichert oder innerlich aufgewühlt. Ohne genau benennen zu können, was eigentlich passiert ist.
Solche Erfahrungen sind im Beratungs-, Coaching- und Trainingsalltag nicht ungewöhnlich. Häufig sind sie Ausdruck von Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen – also von unbewussten Beziehungsmustern, die Klient*innen in den Kontakt einbringen und die sich in deinem eigenen Erleben widerspiegeln.
Frühe Beziehungserfahrungen prägen, was wir von anderen erwarten und wovor wir uns schützen. Diese Muster wirken oft unbewusst weiter und werden im Beratungskontakt neu inszeniert – weniger durch Worte, mehr durch Gefühle, Körperreaktionen und Beziehungsgestaltung. Als Berater*in nimmst du das wahr, manchmal sehr deutlich.
Deine eigenen emotionalen Reaktionen – die Gegenübertragung – sind dabei kein Zeichen mangelnder Professionalität. Im Gegenteil: Sie können ein wertvoller Hinweis auf das Beziehungsgeschehen sein. Voraussetzung ist, dass du sie erkennst, einordnest und bewusst mit ihnen umgehst.
Hier berührt das Thema unmittelbar deine Selbstfürsorge. Denn professionelle Selbstfürsorge bedeutet nicht nur Pausen oder Ausgleich, sondern vor allem innere Klarheit:
die Fähigkeit, zwischen eigenen Gefühlen und übernommenen Gefühlen zu unterscheiden, dich innerlich abzugrenzen und deine professionelle Rolle bewusst zu halten.
Wer Übertragungsdynamiken nicht erkennt, läuft Gefahr, sich emotional zu verausgaben oder unbemerkt in alte Beziehungsmuster hineingezogen zu werden. Wer sie versteht, kann sich innerlich entlasten – und das eigene Erleben als Ressource nutzen, statt daran zu erschöpfen.
In unserem Seminar „Übertragung und Gegenübertragung in Beratung, Coaching und Training“ beschäftigen wir uns mit diesen Dynamiken anhand von Theorie, Selbsterfahrung und praxisnahen Übungen. Eigene Fälle aus deinem Arbeitsalltag kannst du einbringen und beziehungsdynamisch reflektieren.
Ziel ist es, deine Beratungskompetenz zu vertiefen, professionelle Beziehungsgestaltung zu stärken – und gleichzeitig mehr Selbstfürsorge, innere Klarheit und Sicherheit in deinem Beratungsalltag zu gewinnen.
Wir wünschen dir ein Jahr mit klaren, lebendigen Prozessen in deiner Arbeit, mit tragfähigen Beziehungen zu deinen Klient*innen – und ebenso mit genügend Raum für dich selbst, für das, was dich persönlich nährt, stärkt und innerlich ruhig werden lässt.
Oder, um es mit einem Zen-Wort zu sagen:
„Du kannst kein klares Wasser weitergeben, wenn du selbst aus einem leeren Gefäß schöpfst.“
In diesem Sinne: Möge deine professionelle Klarheit ebenso wachsen wie deine Selbstfürsorge.
Herzliche Grüße
Markus Bundschuh
Dipl. Organisationspsychologe
Gestalt- und Traumatherapeut (HeilprG)

weitere Informationen zur Weiterbildung hier auf der Webseite
Kleine Übungen zur Selbstfürsorge im Beratungsalltag

Praxis-Tipp
1. Kurz-Check nach einem Gespräch (2 Minuten)
Nimm dir nach einer Sitzung einen Moment Zeit und frage dich:
Was fühle ich gerade?
Ist dieses Gefühl neu oder kenne ich es aus anderen Kontexten?
Gehört es eher zu mir – oder könnte es zum inneren Erleben meines Gegenübers passen?
Allein dieses bewusste Innehalten hilft, emotionale Übernahmen zu lösen.
2. Körperliche Abgrenzung bewusst herstellen
Stell dir im Stehen oder Sitzen vor, du trittst innerlich einen kleinen Schritt zurück. Spüre deine Füße auf dem Boden und richte deine Aufmerksamkeit auf deine Körpermitte.
Diese kurze körperliche Intervention unterstützt dich dabei, wieder bei dir selbst anzukommen – besonders nach emotional dichten Gesprächen.
3. Der innere Satz zur Rollenklärung
Formuliere innerlich einen Satz wie:
„Ich begleite – ich trage nicht.“
oder
„Ich bin verantwortlich für den Prozess, nicht für das Leben meines Gegenübers.“
Solche inneren Markierungen helfen, professionelle Grenzen zu wahren und dich innerlich zu entlasten.
Hast du eigene Übungen zur Selbstfürsorge?
Schreib uns doch gern eine Mail an newsletter@gis-akademie.de.
Du kannst uns auch gern Fragen stellen oder Themenwünsche nennen.
Systemische Beratung mit gestaltorientierter und interkultureller Kompetenz

Systemische Beratung lebt davon, Zusammenhänge zu erkennen – zwischen Menschen, ihren Beziehungen, ihren Lebenswelten und den Mustern, die ihr Handeln prägen. In dieser Weiterbildung geht es darum, diese Zusammenhänge nicht nur zu verstehen, sondern im Beratungskontakt lebendig und wirksam zu nutzen.
Die Weiterbildung Systemische Beratung mit gestaltorientierter und interkultureller Kompetenz verbindet systemisches Denken mit gestaltorientierten Zugängen und einer sensiblen Perspektive auf unterschiedliche kulturelle Prägungen. Du lernst, Beratungsprozesse differenziert zu betrachten, Beziehung bewusst zu gestalten und sowohl verbale als auch nonverbale Ebenen in deine Arbeit einzubeziehen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der eigenen Haltung: auf Wahrnehmung, Präsenz und der Fähigkeit, auch in komplexen oder emotional dichten Situationen handlungsfähig zu bleiben. Selbsterfahrung, Reflexion und Praxisbezug greifen dabei eng ineinander und eröffnen neue Perspektiven auf die eigene Rolle als Berater*in.
Im Unterschied zur Weiterbildung Systemischer Coach liegt der Fokus hier weniger auf ziel- und lösungsorientierter Prozessbegleitung, sondern stärker auf Beziehungsgestaltung, Kontextverstehen und der Arbeit in vielschichtigen psychosozialen und pädagogischen Settings.
Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte aus Beratung, Coaching, Pädagogik und psychosozialen Arbeitsfeldern, die Beratung nicht als Technik, sondern als professionellen Beziehungsraum verstehen und ihre Arbeit fundiert, reflektiert und wirksam weiterentwickeln möchten.
Start ist am 31 März 2026 in Hamburg
weitere Infos zur Weiterbildung